Mouvement Écologique
déi Jonk am Mouvement Écologique

Visionäre – „Natur erhalen“! Ein Tag zum Thema Naturschutz mit Josef Settele und Jacques Pir

Am 15. November organisierte move. bereits die 7. Ausgabe des Forums „Visionäre“ für SchülerInnen, StudentInnen und andere junge Interessierte. Ein ganzer Tag stand im Zeichen des Naturschutzes. Ein Dutzend Jugendliche aus den verschiedenen Regionen des Landes sowie viele move.Aktive, waren der Einladung nachgekommen und verbrachten einen abwechslungsreichen Tag mit interessanten Gästen. Vor allem der Austausch mit einem der drei Autoren des Weltbiodiversitätsberichts, Prof. Dr. Settele, war für die SchülerInnen sicherlich ein ganz besonderes Erlebnis und eine einmalige Gelegenheit.

Naturschutz – Gedanken, Ideen und Schwierigkeiten

Los ging es mit einem gemeinsamen Frühstück, bei dem sich die TeilnehmerInnen in einer lockeren Atmosphäre kennen lernten und sich über die Erwartungen an den Tag austauschten. Daraufhin hatte jeder Teilnehmer die Möglichkeit seine Gedanken und Ideen zum Thema Naturschutz zu äußern.

Zuerst gingen wir der Frage nach, was Natur für jeden bedeutet. Heraus kam, dass jeder eine ganz persönliche und individuelle Beziehung zur Natur hat. Für einige bedeutet eine intakte Natur gutes Leben, andere verbinden sie mit Erholung und Entschleunigung. Auch über die Frage, warum es sich lohnt die Natur zu schützen, wurde viel diskutiert. Saubere Luft und Wasser, intakte Böden und Wälder, sowie eine reiche Artenvielfalt lag den TeilnehmerInnen besonders am Herzen.

Spannend war zudem der Austausch über die Schwierigkeiten auf dem Weg zu einem besseren Naturschutz. Wirtschaftliche Zwänge sowie individueller Egoismus und Ignoranz waren Themen, die die Jugendlichen dabei beschäftigten.

Ein Beispiel das lebhaft diskutiert wurde war die Landwirtschaft. Weniger Dünge- und Pflanzenschutzmittel stellen einen wichtigen Schritt in Richtung Naturschutz dar, allerdings müsse politisch ein Rahmen für die Bauern geschaffen werden, damit diese weniger dem Druck des Weltmarkt ausgeliefert sind.

Angeführt wurde aber auch, dass häufig ein Mangel an Bildung und Zeit sowie die Angst vor Veränderung ein Hindernis auf dem Weg zu mehr Naturschutz darstellen. Abschließend gingen wir der Frage nach, was jeder Einzelne tun kann, um die Natur besser zu schützen. Neben Änderungen im persönlichen Verhalten, wie zum Beispiel dem Einkauf von biologischen Produkten, war für die Teilnehmer klar, dass wir eine Systemänderung brauchen, bei der weniger Ressourcen verbraucht werden und ein nachhaltiger Umgang mit unseren Lebensgrundlagen selbstverständlich wird.

Bessere Naturschutzpolitik durch die Erkenntnisse der Wissenschaft

Mit dem Ziel einen Raum für den Austausch über aktuelle Themen zu schaffen, lädt move., in Zusammenarbeit mit dem Mouvement Ecologique, für die Visionär Foren engagierte Persönlichkeiten und Experten ein. Dieses Mal hatten die Teilnehmer die Chance sich mit Josef Settele auszutauschen, der während drei Jahren, neben seiner wissenschaftlichen Arbeit im Bereich Ökologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, den Bericht des Weltbiodiversitätsrats über den weltweiten Zustand der Biodiversität und die Leistungen der Ökosysteme mitkoordinierte. In seinem Vortrag gab Herr Settele einen tiefen Einblick in den Prozess und die Verhandlungen rund um die Erstellung dieses UN-Berichts, dessen Ziel es ist, eine bessere Naturschutzpolitik durch die Erkenntnisse von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt zu erzielen. Eine der zentralen Erkenntnisse war, dass aktuell 1.000.000 Pflanzen- und Tierarten vom Aussterben bedroht sind. Eine Rate, die 10 bis 100 mal höher ist als der Durchschnitt der letzten 10.000.000 Jahre. Durch unseren Lebensstil, die Verschmutzung der Luft und der Gewässer oder das massive Abholzen, verursacht unsere Gesellschaft zudem ein rasantes Abnehmen der „Dienstleistungen“ der Natur für den Menschen.

In der auf den Vortrag folgenden Diskussion hatten die Teilnehmer vor allem Fragen zu ihrem eigenen Verhalten, was den Erhalt einer „funktionierenden“ Natur betrifft. Für Settele ist es wichtig eine breite Öffentlichkeit für ein Thema zu schaffen, damit die Politik den dringenden Handlungsbedarf anerkennt. Für den Einzelnen sei es schwierig immer die richtigen Entscheidungen zu treffen, darum sei es um so wichtiger Druck auf die Politik auszuüben.

Der UN-Bericht sei seinerseits ein Mittel um die Perspektive der Wissenschaft in die öffentliche Diskussion einzubeziehen. Joseph Settele meinte dann aber auch, dass es noch ein weiter Weg ist, bis dass die Erkenntnisse des Berichts in das Alltagshandeln der Politik flächendeckend Einzug finden.

Mit offenen Augen durch die Natur gehen

Nach dem Mittagessen stand ein Rundgang mit Jacques Pir, einem langjährigen Mitglied der Naturschutzgruppe des Mouvement Ecologique und Fledermaus-Experte, auf dem Programm. Dass der Mensch durch sein Handeln einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der Natur hat, konnten die Schüler anhand von einigen Beispielen im urbanen Raum rund um die Stadt Luxemburg erfahren. An den Burgmauern, auf öffentlichen Wiesen und in kleinen Waldabschnitten – überall kann Biodiversität zugelassen und somit auch die Artenvielfalt gefördert werden. Dass dies allzu oft nicht der Fall ist und Bäume umgelegt, Wiesen regelmäßig gemäht oder keine biodiversitätsfördernden Pflanzen angesät werden, liegt vor allem an einem Mangel an Wissen über die Wichtigkeit und die Funktionen und Dienstleistungen einiger Arten.

Begeistert vermittelte Jacques Pir dann zum Schluss, dass es sich lohnt mit offenen Augen und Ohren durch die Natur zu gehen. Dann hört und sieht man auch ab und zu eine seltene Art – wie wir dann auch, einen Eisvogel über der Alzette, ein wunderschöner Vogel.


Date de publication : 17.12.2019

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